Bestimmte Rahmenbedingungen und Organisationsmerkmale von Gruppen haben eine große Auswirkung auf das Klima innerhalb der Gruppe. Diese Wirkung wird oft vernachlässigt. Das kann zu Problemen und Enttäuschungen führen. Im folgenden sollen einige Punkte benannt werden, um Sie für solche Wirkungen etwas zu sensibilisieren.
Gruppengröße:
Die Gruppengröße wirkt sich besonders auf die emotionale Offenheit aus. Bei großen Gruppen (mehr als zwölf Personen) fällt es schwerer, sich zu öffnen. Auch bleibt für die Einzelperson zu wenig Zeit. Bei kleineren Gruppen (weniger als sechs Personen) fehlt die Vielfalt der Persönlichkeiten und Meinungen. Die Gruppe ist u.U. bei Abwesenheit von Einzelnen gefährdet, und es lähmt der Druck, dass keiner ausscheiden darf.
Häufigkeit und Ort der Treffen:
Empfehlenswert ist ein regelmäßiges Treffen (Planbarkeit) von etwa zwei Stunden Dauer (Konzentrationsfähigkeit), möglichst in neutralen Räumen, damit niemand in die Gastgeberrolle kommt. Kürzere Abstände fördern das Vertrauen, die Offenheit in der Gruppe und den gemeinsamen Entwicklungsprozess. Viele Gesprächsgruppen wählen wöchentliche bis 14-tägige Abstände.
Gruppenleitung:
Manche Gruppen haben gute Erfahrungen damit gemacht, dass abwechselnd jeweils ein Mitglied die Sitzungsleitung übernimmt und auf die Einhaltung des formalen Rahmens achtet (pünktlich anfangen und aufhören, Einhaltung von vorher verabredeten Gesprächsregeln). Ein disziplinierter Umgang mit den vereinbarten Regeln ist für einen positiven Gruppenprozess sehr bedeutsam.
Alle Gruppenmitglieder sind gleichgestellt und tragen die Verantwortung für das Gruppenklima gemeinsam. Das widerspricht nicht gemeinsam beschlossenen Leitungsaufgaben oder Aufgabenverteilungen.
Zugang zur Gruppe:
Der Zugang für neue Mitglieder zu einer Selbsthilfegruppen ist sehr unterschiedlich geregelt. Zu bedenken ist für die Gruppe, ob neue Mitglieder immer aufgenommen werden oder nur zu bestimmten Terminen (z.B. einmal im Quartal), oder ob ein Vorgespräch mit einem Gruppenmitglied über den Stand und die Arbeitsweise der Gruppe vereinbart wird. Nach dem Erstkontakt kann auch eine „Probezeit“ festgelegt werden (z.B. fünf oder zehn Sitzungen), nach denen sich die Gruppe und das neue Mitglied für oder gegen das Mitmachen entscheiden.
Abhängig von dem gewählten Rahmen, den Wünschen der Mitglieder und der Zielrichtung der Arbeit entwickelt jede Gruppe ihren eigenen Arbeits - und Gruppenstil.
Verbindlichkeit, Verschwiegenheit und Selbstverantwortlichkeit - drei Grundregeln, die alle Gruppen besprechen sollten
Verbindlichkeit:
Wichtige Arbeitsbasis sind Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit der Teilnehmer in der kontinuierlichen Mitarbeit. Gefühle bspw. der Spannung, der Angst oder der Langeweile können nur durch Ansprechen geklärt werden und nicht durch Wegbleiben. Ist ein Gruppenmitglied verhindert, sagt es bei einem anderen Teilnehmer ab.
Verschwiegenheit:
Alles, was in der Gruppe besprochen wird, bleibt in der Gruppe.
Selbstverantwortlichkeit:
Alle kommen aufgrund eigener Schwierigkeiten in die Gruppe und übernehmen die Verantwortung für sich und ihr Handeln selbst. Das heißt, jede/r bestimmt selber, worüber und wieviel sie/er spricht, und sie/er macht nicht die Anderen für das persönliche Weiterkommen verantwortlich.
Austausch mit anderen Gruppen
Ein Austausch mit anderen Gruppen, gegebenenfalls im Rahmen eines "Gesamt-Treffens", kann dabei helfen, das eigene Gruppengeschehen aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, sich gegenseitig bei Schwierigkeiten zu beraten und die eigenen Erfahrungen weiterzugeben. Es gehört zum Wesen von Gesprächs-Selbsthilfegruppen, dass sie meist nur eine begrenzte Zeit existieren und keine vereinsmäßige Struktur haben. Ein Austausch mit anderen Gruppen oder eine organisatorische und beratende Unterstützung von außen kann manchmal hilfreich und notwendig sein. Dies kann im Bedarfsfall die Selbsthilfekontaktstelle leisten.